Die hohe Verspätungsanfälligkeit des gegenwärtigen Fahrplans ist vor allem durch die kurzen Wendezeiten in Bielefeld Hbf und Lemgo-Lüttfeld sowie in den nur wenigen, starren Begegnungsmöglichkeiten begründet. Eine einzige Störung genügt, um die entstandene Verspätung stundenlang zwischen den End- und Kreuzungsbahnhöfen hin- und herpendeln zu lassen. Um die Selbstheilungsfähigkeiten des Fahrplans zu stärken, schlagen wir folgende Optimierungen der Infrastruktur vor:

Bahnhof Oerlinghausen: Rückverlegung der östlichen Einfahrweiche an ihren ursprünglichen Standort; Anlegung eines Bahnsteigs 2 mit nicht-technisch gesichertem Reisendenüberweg über Gleis 1; Rückbau des Bahnsteigs B; Verlegung der westlichen Einfahrweiche bis knapp vor den Haltepunkt Ubbedissen.

Infrastrukturmaßnahmen in Oerlinghausen

Bei übersichtlichen Verhältnissen und geringer Geschwindigkeit ist die Installation von Reisendenüberwegen ohne technische Sicherung möglich, wie hier in Herdecke. Denkbar wäre so eine Lösung auch für Oerlinghausen und Lemgo.

Nutzen: die sich begegnenden Züge werden zeitlich voneinander entkoppelt, die Begegnung kann auch fahrend statt stehend stattfinden, so dass kleine Verspätungen nicht mehr auf den Gegenzug übertragen werden; die bisher drei bis vier Minuten Aufenthalt in Richtung Lage können auf eine Minute verringert werden; erhebliche Verkürzung des Fußwegs vom Halteplatz der ostwärts fahrenden Züge zu den Bussteigen. Der mögliche Verspätungsabbau pro Stunde erhöht sich um vier Minuten.


Bahnsteigverlängerungen: Bisher sind mehrere Bahnsteige (Oldentrup, Ubbedissen, Helpup, Ehlenbruch und Hörstmar) nur etwa 85 Meter lang. Diese Länge wurde beim Streckenausbau Mitte der 90er Jahre gewählt, weil man sich offenbar die anschließende erfreuliche Entwicklung der Strecke nicht vorstellen konnte. Schon eine Doppeltraktion zweier Triebzüge der Baureihe 628 konnte dort nur halten, wenn wenigstens eine Tür verschlossen blieb. Die heute in der Hauptverkehrszeit üblichen Doppeltraktionen aus zwei Talent-Triebzügen sind mit ihren 96,7 Metern eigentlich schon zu lang. Damit alle Türen am Bahnsteig zum Halten kommen, muss auf den Meter genau gebremst und angehalten werden. Das erfordert eine vorsichtige, langsame Anfahrt an die Bahnsteige, und kostet dementsprechend Zeit. Diese Zeit fehlt, um Verspätungen abbauen und somit einen stabilen Betrieb bieten zu können. Wir schlagen daher vor, kurzfristig alle Bahnsteige der Strecke einheitlich auf eine Mindestlänge von 100 Metern zu bringen.

Doppeltraktionen müssen an vielen Bahnsteigen sehr genau über das Bahnsteigende hinaus fahren.

Nutzen: die Triebfahrzeugführer müssen nicht mehr auf einen Meter genau halten und können entsprechend zügiger an die Halte heran fahren. Das spart Zeit, verringert Verspätungen, und spart ansonsten auch Energie.


Haltepunkt Ehlenbruch: Dem gegenwärtigen Betriebskonzept fehlt eine Rückfallebene, um hohe Verspätungen abbauen zu können oder auch zusätzliche Fahrten (z.B. Sonder- und Güterzüge) durchführen zu können. Wir schlagen vor, in Höhe des Haltepunkts Ehlenbruch in beide Richtungen je ein zusätzliches Blocksignal zu installieren.

Nutzen: Damit können bei Bedarf in kurzem Abstand (4 – 7 statt 12 Minuten) zwei Züge hintereinander verkehren. Dadurch werden dispositive Eingriffe in den Betrieb zum Abfangen hoher Verspätungen und auch zusätzliche Züge ermöglicht, ohne dass dadurch andere Züge nennenswert beeinträchtigt werden. Zugleich können damit ggf. die hohen Kosten für einen vollständigen Kreuzungsbahnhof in Ehlenbruch gespart werden.


Bahnhof Lage: die einstellbaren Fahrstraßen limitieren die gegenwärtigen Fahrtmöglichkeiten in vielfältiger Weise. Viele Konstellationen sind nicht als Zugfahrstraße einstellbar, obwohl die Weichenverbindungen dafür vorhanden sind. So ist es beispielsweise nicht möglich, von Gleis 3 aus in Richtung Herford oder Bielefeld auszufahren, ebensowenig von Gleis 4 aus Richtung Herford oder Bielefeld einzufahren. Es wäre wünschenswert, je nach Restlaufzeit der mechanischen Stellwerke, die beiden Gleise in den genannten Konstellationen zu ertüchtigen.

Nutzen: Dies würde beispielsweise den Konflikt zwischen aus Bielefeld einfahrender RE 82 und nach Herford ausfahrender RB 72 lösen, und bei entsprechender Signalisierung zugleich schnellere Ein- und Ausfahrten ermöglichen.


Bahnhof Lemgo: bisher finden alle Ein- und Ausfahrten in den Bahnhof Lemgo mit maximal 50 km/h statt, obwohl die Gleisanlagen auch für die auf der Strecke üblichen 80 km/h geeignet wären. Wir schlagen vor, kurzfristig zumindest die Ausfahrten mit 80 km/h zuzulassen, und in einem weiteren Schritt die Signalisierung der Einfahrsignale so zu ändern, dass bei Einfahrt in das Gleis 1 auch hier 80 km/h möglich werden. Weiterhin gibt es keinen Zugang zum vorhandenen Bahnsteig des Gleises 2, so dass bei Störungen nicht nach Gleis 2 ausgewichen werden kann und auch keine Zugbegegnungen mit Verkehrshalt beider Züge möglich sind. Wir schlagen vor, bedarfsgerecht einen von Hand durch das Zugpersonal zu öffnenden Zugang zum Bahnsteig 2 zu installieren.

Nutzen: Es werden die Möglichkeiten der vorhandenen Infrastruktur besser ausgenutzt, wertvolle Zeit wird gespart, ohne dass hierfür wesentliche Investitionen erforderlich sind. Der mögliche Verspätungsabbau je Stunde erhöht sich um 1 – 2 Minuten. Gerade im Hinblick auf zusätzliche Fahrten in der Hauptverkehrszeit und Sonderfahrten kann die Nutzbarkeit des Bahnsteigs 2 eine wichtige Rückfallebene werden.


Geschwindigkeitserhöhungen: auf einigen Streckenabschnitten würde die Trassierung auch höhere Geschwindigkeiten zulassen, als sie derzeit zulässig sind. Eine Anhebung der Geschwindigkeit würde auf geeigneten Abschnitten zumeist nur die Verlängerung der Einschaltstrecken der Bahnübergänge erfordern, sowie ggf. ein Durcharbeiten des Oberbaus. Neben der technischen Eignung ist ein weiteres Auswahlkriterium für die Abschnitte, ob die höhere Geschwindigkeit auch sinnvoll und in ausreichender Länge genutzt werden kann.

Unter diesen Aspekten kommen Geschwindigkeitserhöhungen vor allem auf folgenden Abschnitten in Frage:

    • Bielefeld Hbf – Bielefeld Ost von 60 auf 80 km/h
    • Oerlinghausen – Lage von 80 auf 100 km/h
    • Hörstmar – Lemgo von 80 auf 100 km/h
    • Lage – Detmold von 100 auf 120 km/h
    • Herford – Bad Salzuflen von 100 auf 120 km/h

Nach Abschluss aller vorgenannten Ertüchtigungen hat sich die Leistungsfähigkeit der Strecke Bielefeld – Lemgo schon wesentlich erhöht. In anhängendem Fahrplan sind die möglichen Veränderungen exemplarisch an drei Zügen je Richtung dargestellt. Am auffälligsten ist die erhebliche Fahrzeitverkürzung der RE 82 von Bielefeld bis Lage von 24 auf 18 Minuten, bedingt durch den Entfall der Aufenthaltszeit in Oerlinghausen und den aufgehobenen Konflikt mit der RB 72 in Lage.

In dieser Tabelle finden Sie fortgeschriebenen Fahrplan der beide lippischen Strecken mit den Änderungen in roter Schrift:


Legende zu den Zeichnungen:
– In Schwarz sind alle Bestandselemente gehalten, die unverändert bleiben
– In Grün sind alle neu zu erstellenden Elemente gehalten
– In Rot sind alle überzähligen Elemente gehalten, die zurückgebaut werden können.